Der Weg zum Himmel

„Die so um diese Zeit kommen, kommen fast immer vom Hafen“, sagt er. Ich komme auch vom Hafen. „Ich hab‘ viel mitgemacht. Landjugend damals.“ Er ist 82. Haben Sie das Bild gesehen“, will er wissen. „Nein, welches Bild?“ Dass es alle so machen, sagt er, dass sie alle die Tür zuziehen, aber dann kann man das Bild nicht sehen: „Dann rennen sie dran vorbei.“ Er öffnet die Tür. Es erscheint ein Schwarzweißfoto, gerahmt. „So hat die Kirche bis 1980 ausgesehen.“ Gut, schlecht, richtig, falsch, ist dem Bericht nicht zu entnehmen. Damals kamen die Bänke raus, die Fußbodenheizung rein, darum der Linoleum-Fußboden. „Riecht anders“, sagt der alte Herr.

„40 Jahre war ich Küster hier.“ Zuletzt 60 Euro Aufwandspauschale. Früher in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft gearbeitet. „Der Vorsitzende der LPG war natürlich nicht bei der Kirche. Aber der hat mich machen lassen, wenn ich was für die Kirche gefahren habe.“ Nach der Wende Arbeit auf dem Friedhof der Kirche, Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. „Ich hab hinter so vielen Särgen gestanden.“ Sechs Konfirmanden in diesem Jahr. Früher waren es mehr.

Ein Hafen, ein Campingplatz, eine Sparkasse, eine Ost-Eisdiele, eine Tagespflege, ein Penny, ein Haus mit rauem grauem Putz und rostigem Rolltor, Schmiede steht auf dem Schild. Ein Autohändler, Ford, ein Döner-Restaurant, eine Dorfplatte am Rand, Straße der Jugend, Straße des Friedens, Karl-Marx-Platz, dahinter die Kirche.

Hinter der Kirche ist das Dorf zu Ende. Früher endete hier die Welt. 1132 Einwohner, 14,5 Prozent Evangelische. Bei der Vereinigung mit der Westkirche war er dabei. „Die Linde, die alle geschenkt bekommen haben, steht da hinten.“