Bekehrung der Kirche

Tief unten in der Wüste steht ein wilder Kerl. So gar nicht gesellschaftskonform. Die feinen Städter der Jerusalemer Oberschicht mögen die Nase über Johannes den Täufer gerümpft haben. Wer zu ihm geht, muss sich hinabbegeben. Er muss im Wortsinne nach unten. Jerusalem mit seinem Tempel liegt auf einem Berg. Johannes tauft am Jordan. Der Höhenunterschied beträgt rund 1.000 Meter. Jerusalem liegt auf 700 Metern über dem Meeresspiegel. Der Jordan befindet sich in einer tiefen Senke, die etwa 250 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Tiefer kann man auf dem Landweg nicht herabsteigen.

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Platte – Heimat – Allesandersplatz

Es war eine vollgestopfte Präsenzwoche mit der CVJM-Hochschule in Berlin. Tief im Osten der Stadt, in Kaulsdorf, ging es eine Woche lang um Fragen, wie Pionier-Sein in Kirche oder als Gemeinschaft geht.

Die Mitte der Woche bildete eine Einführung in die Straßenexerzitien. Dazu war Christian Herwartz mit zwei Begleiterinnen in das Seminarhaus gekommen. Von dort schwärmte die Gruppe aus, um auf der Straße zu hören, zu sehen und sich ansprechen zu lassen.

Ich hatte entschieden, mit wenig Bargeld und ohne Mobiltelefon und Uhr loszulaufen. In der Tasche ein Nahverkehrsticket für den Tag. Alles in allem noch sehr luxuriös.

Augenblick und Gegenwart

Mitten im Hamburger Schanzenviertel steht seit 1970 das Jesus Center. Zum Schulterblatt hin öffnet das Café Augenblicke seine Türen. Dort haben wir es immer wieder mit Menschen zu tun, die schwere Lasten mit sich herumtragen. Neben heißen Getränken, Lebensmitteln und sehr günstigem (1,50 Euro) und an manchen Tagen kostenlosem Mittagessen ist das Zuhören vielleicht das wichtigste Angebot, das wir unseren Gästen machen können.

Vor einigen Tagen hat mich K. dabei gelehrt, was Vergebung bedeutet. Er ist Anfang 50 und lebt mal wieder auf der Straße.
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Spriritualität der Straße

Als Gläubige sind wir nicht dazu berufen, Erreichtes zu zementieren und ebenfalls nicht, am Scheitern festzuhalten. Es geht vielmehr immer um den nächsten Schritt. Wenn wir uns auf das Geschehen einlassen, also auf das, was uns begegnet, umgibt oder widerfährt, dann folgt daraus immer eine Handlungsoption oder eine neue Möglichkeit.

Dabei geht es nicht um das Machbare. Was wir als machbar erachten, setzt uns bereits Grenzen – nämlich unsere eigenen. Und schon stecken wir wieder fest. Es kommt vielmehr darauf an, den nächsten Schritt zu wagen. So, wie Madeleine Delbrêl und andere es beschreiben, geht es um einen Tanz, dem wir uns unter Gottes Führung anvertrauen können. Und wie beim Tanzen ist es ganz normal, dass die Schritte erst nach und nach immer kühner werden. Tanzen erfordert Mut. Einen Weg zu gehen, der erst im Gehen entsteht, ist ein Abenteuer. „Spriritualität der Straße“ weiterlesen

Gold, Weihrauch und Balthasar – Menschen und Namen

Die Veranstaltung hieß Straßenweihnacht. Eine Woche vor Heiligabend hatte der Verein Straßenblues dazu eingeladen. Und wie wir waren noch viel mehr Menschen davon angezogen. Der Veranstaltungsort, ein Tagesaufenthalt für Wohnungslose, war beinahe bis auf den letzten Platz gefüllt.

Auf mich hatte diese Veranstaltung eine große Anziehungskraft ausgeübt. Ich war sicher, dass dies genau der richtige Weg ist, dass dies zu mir gehört. Dass es mir auf meiner Gottsuche weiterhelfen würde.

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem  und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. „Gold, Weihrauch und Balthasar – Menschen und Namen“ weiterlesen

Vom Wünschen

In der Großstadt treffen Gegensätze immer aufeinander. Arm und wohnungslos trifft auf wohlhabend und wohnend. Meistens geschieht dies auf der Straße.

Der Verein Straßenblues hatte im Sommer 2017 eine sehr kleine, aber großartige Fotoausstellung organisiert. Die Bilder hingen auf sehr nackten und grauen Betonwänden im Foyer des Kreditkartenunternehmens Barcleycard in Hamburg, das die Ausstellung ermöglichte. So kam es, dass Menschen im Businessdress auf dem Weg zur Raucherpause oder zur Arbeit an den Bildern vorbeigingen. „Vom Wünschen“ weiterlesen

Hände am Rande der Kleinstadt

Gottesdienst in einer kleinen Gemeinde am Rande einer kleinen ostfriesischen Kleinstadt. Das bedeutet ohnehin, dass nicht so richtig viele kommen. An einem Sommersonntag 2017 ist es auch so. Dazu sind Ferien, da kommen noch einmal weniger. „Seien sie nicht enttäuscht“, sagt die Pastorin, für die ich den Platz an diesem Tag einnehme.

Und dann gesellt sich unerwartet zu den vielleicht zehn Menschen, die gekommen sind, noch eine Familie, die nach der Beisetzung eines Verwandten unter der Woche noch der Einladung in den Sonntagsgottesdienst gefolgt ist. Die Truppe sieht nach dem aus, was man in Ostfriesland „Ländies“ nennt. Leute vom Land eben. Keine reichen Bauern, sondern Familien, die auf Landarbeiter zurückgehen – oder heute noch sind. „Hände am Rande der Kleinstadt“ weiterlesen

Allerseelen, Bier und toter Otto

In ihrem Buch „Accidential Saints“ (Unheilige Heilige) beschreibt die lutherische Pastorin Nadia Bolz Weber die Tradition ihrer Gemeinde in Denver Colorado zu Allerseelen. Mehrfach taucht der All Saints Sunday in dem Buch auf. Allerseelen heißt das Totengedenken in der katholischen Kirche. Und auch die anglikanische Kirche feiert es. In meiner evangelischen Tradition ist mir dieses Fest jedoch noch nie so deutlich begegnet. Und schon gar nicht in der bunten Form, wie sie in dem Buch beschrieben wird.

Am Sonntag nach Allerheiligen wohnte ich stattdessen einem blutleeren evangelischen Gottesdienst bei, der für mich vor allem die Frage beantwortete, warum traditionell gegenüber einer Kirche eine Kneipe steht. Das ist zwar fast nur noch im Volksmund so, aber wenigstens dort. Ich hätte jedenfalls gut eine gebrauchen können, auch wenn ich Alkohol um 11 Uhr sehr schlecht vertrage. Als ich die Veranstaltung verließ, fühlte ich mich so leer, wie noch nie nach dem Besuch einer Kirche.

Dieses Gefühl der Leere zog sich durch den ganzen Nachmittag, den ich im Büro verbrachte. Ich musste noch arbeiten. Zwischendurch stolperte ich im Facebook über einen Eintrag des „House for All Sinners and Saints“, der Gemeinde von Nadia Bolz Weber. „Allerseelen, Bier und toter Otto“ weiterlesen